DERA, LONMIN, POTEMKIN

for an English version please see below.
Am 22. April 2015 fand in Hannover der Industrieworkshop der Deutschen Rohstoffagentur (DERA) zur „Verfügbarkeit von Platingruppenmetallen für den Industriestandort Deutschland“ statt. Der Arbeitskreis Rohstoffe hat in einer Presseaussendung darauf hingewiesen, dass dort auch eine Vertreterin von Lonmin, die „maßgebliche Verantwortung für das Massaker“ von Marikana (16. August 2012) tragen, eingeladen wurde um über „Sustainable PGM Mining in South Africa“ zu sprechen.

Wir, Maren Grimm und Jakob Krameritsch, waren bei diesem Workshop, der unter die Chatham House Rules gestellt wurde. Wir dürfen, wurde uns gesagt, nicht darüber berichten. Tun wir dies, würde man – so wurde uns versichert – „nachfassen“. Im Kontext des Beitrages von Wilma Swarts von Lonmin, über den wir nichts sagen dürfen, verweisen wir daher gerne auf die Studie der südafrikanischen Bench Marks Foundation über Lonmin mit dem Titel „Coping with Unsustainability“. Der Ökonom Dick Forslund legt darin detailliert die jahrzehntelangen Gesetzesbrüche von Lonmin offen, die das Management mit ihren Berichten zu „sustainable development“ kaschiert. Diesem Bericht ist auch nach der DERA-Konferenz nichts hinzuzufügen.
Eine Ausdeutung der potemkinschen Legende geht über eine rein einseitige Täuschung hinaus und betont den Konsenscharakter: Fürst Potemkin habe gewusst, dass Kaiserin Katharina II. wusste, dass diese Dörfer nur Fassade sind. Und Kaiserin Katharina II. wusste wiederum, dass Potemkin wusste, dass Sie dies wusste. Wortlos schlossen beide ein Übereinkommen, das einen „als-ob-Modus“ installierte: Wenn wir beide so tun, als ob es sich nicht nur um Staffage handle, dann können wir beide mit konsequenzenlosen business-as-usual fortfahren. Niemand kann uns belangen, da niemand nachweisen kann, dass wir um den Täuschungscharakter der Fassade wussten. Zur Aufrechterhaltung von potemkinschen Dörfern gehören damit immer zumindest zwei Parteien: Die eine, die es errichtet, und die andere, die es sich wünscht und eine Plattform bietet, damit die Legitimationsbasis nach außen gelegt ist, einfach weiter machen zu dürfen.

However, im Abschlussbericht der Leiter der Beweisaufnahme der Marikana Untersuchungskommission von Oktober 2014 erhärten sich die Anschuldigungen an Lonmin nur noch mehr. Der Bericht der neutralen Partei innerhalb der Kommission beschäftigt sich v.a. auf seinen ersten Seiten mit Lonmin und stellt dem Betrieb ein katastrophales Zeugnis für die miserablen Lebensbedingungen ihrer Angestellten aus. Lonmin wird darin u.a. vorgeworfen seiner Verantwortung gegenüber den ArbeiterInnen und ihren Communities nicht nachgekommen zu sein.

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On 22nd April 2015 the industry workshop on “availability of platinum group metals for the industrial location Germany”, organized by the German Agency for Raw Materials (Deutsche Rohstoffagentur, DERA) took place. The Working Group on Raw Materials (AK Rohstoffe) already informed the public in a press release, that a representative of Lonmin, an enterprise bearing “responsibility for the Marikana Massacre in August 2012 in South Africa, where 34 striking miners were killed”, was invited to speak on „Sustainable PGM Mining in South Africa“.
We, Maren Grimm and Jakob Krameritsch, were at this workshop, which was under the “Chatham House Rules“. So we both were informed, that we are not allowed to report on specific information given us there. In the context of the contribution of Wilma Swartz from Lonmin, on which we can’t report, we’d like to refer on a Bench Marks Foundation survey with the title “Coping with Unsustainability”. The economist Dick Forslund uncovers in great detail the breaches of law, which the Lonmin management tried to cover with their annual reports on sustainability. Even after the workshop, there is nothing to add to this.
In a version of an interpretation of the legend of prince Potemkin it is claimed that the  story is not about just a singular and one-sided deceit. On the contrary: in this interpretation the character of consensus is underlined. Prince Potemkin knew that empress Katharina II knew that the villages were mere façade. In turn, Katharina II knew that Potemkin knew that she knew it. Without a word they agreed on an as-if-mode: If we both agree to act as if isn’t a mere façade, then we could go ahead with business-as-usual.
However, in the final report of the evicence leaders of the Marikana commission of Inquiry, Oct. 2014 (Abschlussbericht der Leiter der Beweisaufnahme der Marikana Untersuchungskommission) there are even more accusations towards Lonmin to read. Lonmin is e.g. accused that it did not meet its legal obligations to improve the infrastructure for its workers.

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